Friedensabkommen nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg

Mehr als 50 Jahre dauerte der blutige Bürgerkrieg in Kolumbien, der mehr als 260.000 Menschen das Leben kostete. 2016 unterzeichneten die linksgerichteten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) schließlich ein Friedensabkommen mit der Regierung.

Ein Punkt der Vereinbarungen sieht die Entlassung der Kindersoldaten vor. Kolumbien ist das einzige Land Amerikas, in dem noch Kindersoldaten gibt, rekrutiert durch verschiedene Guerilliaorganisationen und Paramilitärs. Schätzungen zufolge kämpfen immer noch mehrere Tausend Minderjährige für diese Gruppen. Meist stammen sie aus bitterarmen Familien und waren im Elternhaus oft häuslicher Gewalt ausgesetzt.

Ehemalige Kindersoldaten mit gravierenden Spätfolgen

So auch Catalina und Manuel, die Protagonisten des Films „Alto el fuego“ (Waffenstillstand). Eindrucksvoll beschreiben sie ihr Leben als Kindersoldaten: Die Jugendzeit geprägt durch die Waffe, der Dschungel ihr Zuhause, das Bataillon die Familie. Sie erlebten Gewalt, Krieg und Massaker, ihre Anführer forderten bedingungslosen Gehorsam, selbst minderjährigen Deserteuren drohte die Todesstrafe. Die Mädchen und Jungen sind traumatisiert und benötigen professionelle Hilfe. Viele haben Schlaf- und Angststörungen, manche konsumieren Drogen. Selbst die eigenen Familien wollen häufig nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Programme zur Reintegration sind deshalb besonders wichtig. Mag sich die FARC auch zurückziehen, andere kriminelle Gruppen in Kolumbien werden stärker. So besteht die Gefahr, dass die ehemaligen Kindersoldaten leicht in die Kriminalität zurückfallen, wenn die kolumbianische Gesellschaft sie nicht wieder vollständig aufnimmt und integriert.

Salesianer Don Boscos helfen ehemaligen Kindersoldaten in Kolumbien

Catalina und Manuel hatten Glück. Sie konnten fliehen und fanden Hilfe und Schutz bei den Salesianern Don Boscos in Medellín. Vor 15 Jahren riefen die Salesianer ein Schutzprogramm für ehemalige Kindersoldaten ins Leben. In enger Zusammenarbeit mit den Familien erhalten die Kinder hier professionelle Hilfe. Psychologen unterstütze die ehemaligen Kämpfern dabei, das Erlebte zu verarbeiten und zu trauern. Ihnen wird Zugang zu medizinischer Versorgung und falls nötig zum Drogenentzug ermöglicht. Viele müssen erst wieder lernen, sich im alltäglichen Leben zurechtzufinden und einen geregelten Tagesablauf einzuhalten. Sie begreifen, dass sie für ihr Verhalten und ihre Mitmenschen verantwortlich sind. Sport, Workshop und Freizeitaktivitäten unterstützen die Bemühungen, die Kinder zurück in ein normales Leben zu führen. Viele der minderjährigen Kämpfer haben mit dem Eintritt in die Guerilliaarmee die Schule abgebrochen.

In der „Ciudad Don Bosco“, der Stadt Don Bosco, erhalten sie die Möglichkeit, ihren Abschluss nachholen und anschließend eine Berufsausbildung absolvieren. Catalina will ihren Traum verwirklichen und als Krankenschwester arbeiten. Manuel befindet sich in der Ausbildung zum Techniker und möchte irgendwann seine eigene Familie gründen. 2300 ehemalige Kindersoldaten fanden bisher in der Stadt Don Bosco Hilfe bei den Salesianern. 85 % von ihnen ebnete die Einrichtung den Weg in ein neues Leben, unterstützt durch Ihre Spenden und Kinderpatenschaften.

Quellen:
https://strassenkinder.de/laender/lateinamerika /kolumbien-kindersoldaten/; http://www.catholicnewsagency.com/news/ how-colombias-child-soldiers-are-trying- to-begin-again-96546/ – englisch)

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