UNICEF: „Wenn ein Kind keine Geburtsurkunde hat, wird es seiner Zukunft beraubt. Es lebt unsichtbar wie ein Geist.“

In Deutschland kann man sich nur schwer vorstellen ein Kind ohne Geburtsurkunde großzuziehen, schließlich wird das Schriftstück insbesondere zu Beginn des Kinderlebens für alle Anmeldungen gebraucht. Ärztliche Untersuchungen sind ohne vorherigen Besuch beim Standesamt kaum möglich. Jedes Kind hat von Geburt an das Recht auf einen Namen, eine Staatsangehörigkeit und eine Geburtsurkunde – so ist die Theorie, doch die Praxis sieht anders aus.

Problematisch sind ungeeignete, bürokratische Prozesse oder mangelnde Aufklärung der Eltern über die wichtigen Dokumente. Oftmals haben die Eltern selbst keine Papiere. Außerdem passt sich die Bürokratie zum Teil nicht der Lebensrealität und den traditionellen Bräuchen der Bürger an. Beispielsweise berichtet das UN-Kinderhilfswerk UNICEF über die Situation in Benin. Auch wenn in dem westafrikanischen Land mittlerweile 80 Prozent aller Frauen in Gesundheitszentren entbinden, in denen eine kostenlose Registrierung innerhalb von zehn Tagen nach Geburt möglich ist, sind in Benin fast die Hälfte der Kinder nicht angemeldet. Ein Grund hierfür ist, dass traditionell Kinder erst am achten Tag nach der Geburt ihren Namen bekommen, dann sind die meisten Mütter allerdings mit ihrem Nachwuchs wieder in ihren Dörfern und nicht mehr in den Gesundheitszentren. Eine nachträgliche Anmeldung kostet laut UNICEF in Benin 28 Eure – eine horrende Summe für eine arme Familie.

Geburtsurkunde schützt vor Frühverheiratung, Kinderarbeit und Menschenhandel

Ohne ein offizielles Dokument sind Schulbesuch, ärztliche Versorgung, eine spätere Heirat, Wahlen oder Landbesitz fast undenkbar. Viele Kinder müssen ohne Zugang zu Bildung arbeiten – ohne Papiere sind sie hier einem höheren Risiko von Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt. „Wenn ein Kind keine Geburtsurkunde hat, wird es seiner Zukunft beraubt. Es lebt unsichtbar wie ein Geist.“, sagt UNICEF-Botschafterin Angélique Kidjo.

Auch in Pakistan besitzen ca. ein Drittel der Kinder keine Geburtsurkunde. Die meisten kommen aus armen oder benachteiligten Familien. Meist leben sie in ländlichen Gegenden weit entfernt von den zentralen Meldestellen. Die Organisation Plan International bestätigt, dass „die Geburtsurkunde Kindern [hilft], ihr Alter und ihre Nationalität nachzuweisen und sie vor Frühverheiratung, Kinderarbeit, sexueller Ausbeutung oder Menschenhandel zu schützen.“

Doch nicht nur auf der individuellen Ebene sind fehlende Geburtsurkunden problematisch, denn ohne verlässliche Daten können die Staaten nicht ausreichend für ihre Bürger planen. Die Kinder ohne Geburtsurkunde fallen dann nicht nur durch die Raster des Systems, sondern sind für den Staat gänzlich unsichtbar.

Mit einer Kinderpatenschaft den Erhalt der Geburtsurkunde sicherstellen

Wenn Sie eine Kinderpatenschaft für ein Kind übernehmen, kümmern sich die Organisationen um die Geburtsurkunde und Ausweisdokumente der Kinder. Helfen Sie mit!

Quellen: https://www.unicef.de/geburtsurkunde; https://www.plan.de/patenschaft-asien/patenschaft-pakistan/projekt-digitale-geburtenregistrierung.html

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